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Sanierung der Teerablagerung "Kohlebandbrücke" in Stuttgart

Auf dem Gelände des EnBW-Kraftwerkes Gaisburg in Stuttgart-Ost lag im Bereich der Teilfläche „Kohlebandbrücke“ bzw. liegt nach wie vor in zwei Restschadensbereichen in der ungesättigten sowie in der gesättigten Bodenzone eine Verunreinigung durch Gaswerksrückstände vor, die auf die Verfüllung einer ehemaligen Kiesgrube zurückzuführen ist. Als Schadstoffe treten hierbei insbesondere Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK),Aromatische Kohlenwasserstoffe (AKW), Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), Phenolesowie Cyanide und Ammonium in Erscheinung.

Im Vorfeld der Altlastensanierung wurde die grundsätzliche Sanierungsmethode (konventioneller Bodenaushub mit begleitender hydraulischer Abstromsicherung) festgelegt.

Zur genaueren Eingrenzung des Schadensherdes sowie zur weiteren abfalltechnischen Erkundung wurden zunächst in zwei Kampagnen (2014, 2015) insgesamt 118 Abgrenzungsbohrungenniedergebracht. Vorhandene Ver- und Entsorgungsleitungen wurden durch die Abfrage von Bestandsunterlagen bei der EnBW ermittelt und durch Suchschlitze vor Ort verifiziert.

Um das Abströmen von schadstoffbelastetem Grundwasser, mit dem im Zuge des Eingriffs in den Untergrund und der damit einhergehenden Schadstoffmobilisierung vermehrt zu rechnen war, zu unterbinden ,wurde im Vorfeld (2015) eine hydraulische Abstromsicherung errichtet. Hierzu wurden in drei abstromigen Grundwassermessstellen Pumpen installiert, welche das kontaminerte Grundwasser zu einer Grundwasserreinigungsanlage förderten, um es dort über mehrere Filter (Aktivkohle, Kationentauscher, Anionentauscher) so abzureinigen, dass es abhängig von der Reinigungsleistung ins lokale Abwasserkanalnetz oder in den Vorfluter (Neckar) eingeleitet werden konnte.

Mittels eines Entsorgungskonzeptes wurdedas angefallene Aushubmaterial einzelnen Entsorgungsklassen (Z-Werte,DK-Klassen) für die Verwertung bzw. Beseitigung zugordnet und konnte somit denentsprechenden Entsorgungsstellen (Verwertungsstellen, Deponien, etc.)zugewiesen werden.

Um Erkenntnisse über die örtliche Kampfmittelproblematik zu erlangen, wurde zunächst in einem offenen Voraushub(2015/2016) das Material in der ungesättigten Bodenzone bis ca. 2,5 m Tiefe ausgehoben. Hierbei fielen ca. 16.000 t Bodenmaterial an. Auf dieser temporären Aushubsohle erfolgte eine flächige Kampfmitteluntersuchung, die als Ergebnis die Erstellung einer Störfeldkarte hatte. Auf dieser Grundlage wurde in Abstimmung mit dem zuständigen Regierungspräsidium (RP Stuttgart) sowie dem Amt für Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart (AfU) die endgültige Sanierungsmethode für den Tiefenaushub festgelegt. Diese sah den Aushub im sogenannten Gleitschienen verbau mittels kleinflächiger Verbaukästen (5,4 m x5,4 m) unter ständiger Begleitung durch einen Feuerwerker vor.

Der bis in eine Tiefe von ca. 8 m unter Ursprungsgelände durchgeführte Tiefenaushub erfolgte von 2016 bis 2018. Hierbei wurden weitere ca. 73.000 t Bodenmaterial sowie zahlreiche noch mit Teeröl gefüllte Fässer ausgehoben und entsorgt. Aufgrund des Aushubs in der gesättigten Bodenzone war eine begrenzte Bauwasserhaltung im Rahmen der seitens der Behörden zulässigen Vorgabenerforderlich. Diese erfolgte in Form der Entnahme des stark kontaminierten Grundwassers aus den jeweiligen Verbaukästen sowie aus insgesamt 24 temporären Absenkbrunnen, die sukzessive im Nahbereich der jeweilen Verbaukästen errichtet und schließlich wieder rückgebaut wurden. Die dabei angefallenen ca. 33.000 m3 von verunreinigtem Grundwasser wurden über mehrere Absetzbecken sowie verschiedene Filtersystem soweit abgereinigt, dass sie schließlich ins lokale Abwasserkanalnetz eingeleitet werden konnten.

Nach erfolgtem Aushub in den jeweiligen Verbaukästen erfolgte die Rückverfüllung selbiger mittels für die gesättigte Bodenzone geeignetem durchlässigen Material, der sich die flächige Aufverfüllung des einstigen Voraushubvolumens (ungesättigte Bodenzone) mittels bindigem Bodenanschloss.

Nach Außerbetriebnahme der hydraulischen Abstromsicherung Ende 2018 erfolgt seit 2019 die fachtechnische Kontrolle inForm einer halbjährlichen Grundwasserbeprobung zunächst (2019/2020) an 12,aktuell (2022-2024) an fünf Grundwassermessstellen, um den Sanierungserfolg zu dokumentieren.

Ausblick: Nachdem im Rahmen der Hauptschadenssanierung vorläufig zwei Restschadensbereiche belassen werden mussten (Teilbereich 1 unterhalbumfangreichem Leitungspaket angrenzend an die Bundesstraße B10, Sanierung hier derzeit nicht verhältnismäßig), soll nach dem zwischenzeitlich erfolgtem Rückbau der einst denkmalgeschützten Kohlebandbrücke in den nächsten Jahren der Aushub des darunter beflindlichen zweiten Restschadensbereiches (Teilberich 2)erfolgen.

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Leistungen

In einer Ingenieurgemeinschaft mit CDM Smith  Consult GmbH wurden alle erforderlichen Leistungen der Grundlagenermittlung,  Planung, Genehmigung, Ausschreibung, Vergabe, Bauoberleitung, örtliche  Bauüberwachung (einschließlich Bau- und abfalltechnischer Aushubbegleitung)  sowie Dokumentation erbracht.

- Projektleitung (KuP)

- Bauoberleitung (CDM)

- Örtliche Bauüberwachung (KuP, CDM)

- SiGe-Baustellenkoordination (KuP)

 

- Leitungssuche/-verlegung (CDM)

- Begleitung Abgrenzungsbohrungen (KuP, CDM)

- Hydraulische Grundwassersicherung (KuP, CDM)

 

- Voraushubarbeiten (KuP, CDM)

- Tiefenaushubarbeiten (KuP, CDM)

- Probenahme und Analytik (KuP, CDM)

Technische Daten

- Ausführung von insgesamt 118 Kernbohrungen zur  Abgrenzung des Schadensherdes und weitergehenden Ermittlung der  Kontaminationssituation (Abschätzung der Anteile der jeweiligen  Entsorgungsklassen).

- Inbetriebnahme von 3 Grundwasserbrunnen und  Installation einer Grundwasserreinigungsanlage (GWRA) zur hydraulischen  Abstromsicherung mit zweigleisiger Leitungsführung bis ins lokale  Abwasserkanalnetz sowie durch die denkmalgeschützte Kohlebandbrücke zum Vorfluter  (Neckar). Durchsatz bis 3 m3/h.

- Sanierungsfläche (Schadensschwerpunkt): ca. 8.000 m2

- Grundwasserflurabstand: ca. 2,5 m unter GOK.

- Voraushub: Aushub von ca. 16.000 t Boden. Ausführung  unter ständiger Begleitung eines Feuerwerkers. Erstellung einer  Störfeldkarte.

- Tiefenaushub: Aushub von ca. 73.000 t Boden im  Gleitschienenverfahren unter ständiger Begleitung eines Feuerwerkers.  Errichtung von 24 temporären Absenkbrunnen. Betrieb einer  Bauwasseraufbereitungsanlage (BWAA). Durchsatz bis 20 m3/h.

- Zwischenlagerfläche für Bodenaushub: ca. 2.000 m3

Ansprechpartner:
Peter Rothschink
Projektzeitraum:
2014 bis 2024
Auftraggeber:
Stadt Stuttgart
Ort:
Stuttgart
Arbeitsgebiet:
Leistung: